Echt ästhetisch-didaktisch könnte man sein, wenn man mit seinen
Schülern an allem Empfindungswerten vorüberginge oder es ihnen
zubrächte im Moment, wo es kulminiert und sie höchst empfänglich
sind. Da aber diese Forderung nicht zu erfüllen ist, so müsste der
höchste Stolz des Kathederlehrers sein, die Begriffe so vieler
Manifestationen in seinen Schülern dergestalt zum Leben zu bringen,
dass sie für alles Gute, Schöne, Große, Wahre empfänglich würden, um
es mit Freuden aufzufassen, wo es ihnen zur rechten Stunde begegnete.
Ohne dass sie es merkten und wüssten, wäre somit die Grundidee,
woraus alles hervorgeht, in ihnen lebendig geworden.
-- Goethe, Maximen und Reflektionen, Nr. 514